Ruhepuls zu messen. Mit 66 Schlägen war ich auf 6800 m doch sehr zufrieden. Als um 16.30 Uhr abermals dunkle Wolken aufzogen, ahnte ich nicht gutes. Drei Personen mühten sich am heutigen Tag in Richtung Camp 3. Es waren die einzigen, die sich die Strapazen durch den Neuschnee angetan hatten. Der Bekleidung nach konnten es welche aus meiner Gruppe sein. Sie blieben alle zwei bis drei Schritte stehen um zu verschnaufen. Es waren tatsächlich Tom, Achim und Gerhard. Sie brauchten für die letzten 50-60 Höhenmeter über 1.30 Stunden. Sie suchten sich leere Zelte um darin zu übernachten. Nach einer Weile kam Achim und fragte ob ich schon noch gesund sei. Er fand es nicht gut, dass ich schon so lange auf dieser Höhe war.

 

Da in der Nacht zum 24.07.2009 erneut 20-25cm Neuschnee gefallen waren, beschloss ich Camp 3 abzubrechen. Das Wetter war fantastisch, doch alleine zu spuren würde die Gipfelchancen erneut gewaltig schmälern. Somit stand es fest, mein Projekt, „In 30 Tagen auf den Mustagh Ata und Pik Lenin“, war Geschichte. Ab jetzt nannte ich es, „Die Verdammnis der Umstände, oder wie schön es sein konnte zu scheitern“!!

 

Mein Essen ging auch zur Neige. Ich war sehr gelassen. Also, kein erneuter Gipfelversuch. Bis auf 7300 m hatte ich es geschafft. Und ich war gesund. Keine Kopfschmerzen, kein Schwindel, kein Erbrechen. Die fünf gefrorenen Finger schmerzten zwar, doch das würde sich auch wieder bessern. Meine Gedanken gingen jetzt schon in Richtung Pik Lenin.

 

Der Schnee war sehr kalt. Die Schier wollten am Anfang nicht so richtig laufen, doch je näher ich Camp 2 kam, desto besser wurde es. Trotz 30 kg auf dem Rücken! Zwei Stürze im tiefen Pulverschnee verliefen glimpflich. Ich spürte, dass ich einfach sehr viel Energie auf Camp 3 gelassen hatte.

 

Im Camp 1 angekommen, brauchte ich einige Zeit um mich zu sammeln. 1400 Höhenmeter hatte ich schon geschafft. 1000 Höhenmeter lagen noch vor mir.

Nachdem ich das Zelt abgebaut hatte, würde sich dadurch noch eine eigene Geschichte entwickeln. Bevor ich im Depot, auf 5000m, auf die Bergschuhe wechseln konnte, hatte ich noch eine steile Rinne mit den Schiern zu bewältigen. Der Rucksack war jetzt noch um einige Kilo schwerer.

 

Im Depot verstaute ich noch die letzten Sachen und machte mich auf den Weg ins Basislager. Nach kurzer Zeit hörte ich eine Stimme hinter mir. Es war Ronny, der leider auf Camp 2 abbrechen musste. Er hatte die Socken gewechselt, große, blutige Blasen bekommen und das war es dann. Heute war es sehr heiß. Ich war froh, nicht alleine ins Basislager gehen zu müssen. Meine Kraft war schon ziemlich aufgebraucht und der Rucksack war verdammt schwer. Um 15 Uhr war es geschafft. Ich war müde und leer. Essen, duschen, schlafen. Das wollte ich jetzt! 35 kg zeigte die Waage. So schwer war mein Rucksack.

 

Würde es das Schneckentempo noch nicht geben, so hätte ich es am 25.07.2009 erfunden. Ich schlich durch das Camp und alles war mühsam. Essen und schlafen wäre mir am liebsten gewesen. Das ging aber nicht, da Wäsche zu waschen und das Zelt zu trocknen war. Außerdem musste noch alles fertig gepackt werden für den Abmarsch aus dem Basislager am nächsten Tag. Damit wir gleich morgen nach Kashgar aufbrechen konnten, wenn Tom, Achim und Gerhard vom Berg zurück waren. Gerhard war als erster unten und erzählte, dass es leider auch sie nicht auf den Gipfel geschafft hatten. Zuviel Schnee und zu viele Kräfte am Vortag verbraucht. Kaum waren Tom und Achim zurück, wurde es auch schon turbulent.

 

Ein junger Russe stürmte in unser Gemeinschaftszelt und schrie ich hätte ihm sein Zelt gestohlen. Er gestikulierte wild herum und zeigt auf seinen Namen auf der Zelthülle. Ivan irgendwas sei sein Name und das stehe da drauf. Achim spricht Russisch und versuchte zu vermitteln. Ivan war so wütend, dass er mich sogar schlagen wollte. Und anzeigen wollte er mich auch. Da war aber jetzt der Spaß vorbei!

 

Nach einigem hin und her kam heraus, dass ich anscheinend das falsche Zelt abgebaut hatte. Aber es stand doch auf unserem Platz! Und es war das einzige Red Fox Zelt. Ich konnte es eindeutig sehen, als ich zu Camp 1 abgefahren war. Und ich glaubte beim Zeltabbau, die fremden Sachen im Zelt hätte jemand deponiert. Machen ja einige so. Nun sei alles weg, und er könne nicht mehr rauf, weil seine Utensilien weg seien. Besonders die Steigeisen würde er brauchen. Ich hatte die Sachen doch bei zwei Franzosen deponiert.

 

Achim erklärte ihm nochmals, dass es sich nur um eine Verwechslung handeln könne und ich es nicht nötig hätte ein Zelt zu stehlen. Vielleicht hätte ich genauer schauen sollen. Doch das Zelt stand auf unserem Platz in Camp 1. Dort hatten wir unser Red Fox Zelt stehen lassen!

 

Kurze Zeit später kam Ivan zurück und wollte, dass ich mit ihm gehe. Ich wollte nicht und er sagte „No Danger“. Also machten Achim, Ronny und ich uns auf den Weg. Bei Wodka, Bier und für mich Cola ging es in die nächste Runde. Er wollte einen Träger bezahlt haben, der das Zelt erneut ins Camp 1 tragen würde. Ivan wollte das selber nicht mehr tun. Ivan kannte meinen Reiseveranstalter. Sollte UNSER Zelt auftauchen, würde er es mit zu Elena, zu Asia Mountains nehmen.

 

26.07.2009 Seit 4 Uhr früh hatte ein Hund fast ununterbrochen gebellt. Dazwischen hatte ein Esel mit seinen Lauten noch lautstark mitgemacht. Und die Yaks hatten auch ihren Spaß. Sie grasten neben dem Zelt und grunzten mit einer Wonne, daher auch der Beiname Grunzochse.

 

Ein Teil der Gruppe beschloss nach dem Frühstück nach Subashi zu gehen. Der Rest wollte mit dem Jeep fahren. Die Bewegung tat richtig gut, denn die Fahrt nach Kashgar würde ca. 3.30 Stunden dauern. In Kashgar angekommen fuhren wir direkt zum Sonntagsbasar. Gehandelt wird dort mit allem. Mit Gewürzen, Früchten, Bekleidung, Tieren usw. Diese standen den ganzen Tag, es hatte um 17 Uhr noch

 

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