In 30 Tagen auf den Mustagh Ata und Pik Lenin 2009

Mein Projekt für 2009 hatte den Titel „In 30 Tagen auf den Mustagh Ata und Pik Lenin“. Begonnen habe ich mit meinen Vorbereitungen im Dezember 2008. Von drei möglichen Veranstaltern in Kirgisien blieb dann bis April 2009 nur ITC Asia Mountains in Bishkek übrig. Sie waren schnell, informativ und nach Verhandlungen auch die günstigsten.

 

Von März bis Juni 2009 hatte ich mir alle nötigen Utensilien besorgt.

 

Das körperliche und mentale Training begann im Dezember 2008. Es wurde so wie im Jahr davor für die Besteigung des Elbrus mit Trainingsplan, großer Konsequenz und Disziplin bis Anfang Juli 2009 durchgezogen. Da es heuer noch sehr spät in tiefe Lagen geschneit, und dadurch eine Vorbereitung in den Bergen erschwert hatte, hatte ich auch ein Hypoxie Gerät zu Trainingszwecken benutzt. Im Nachhinein gesehen, hätte ich es mir ersparen können.

 

Reisebeginn:

 

Am 03.07.2009 flog ich um zehn Uhr von Wien Schwechat ab in Richtung Istanbul. Ich hatte fast 60 kg Gepäck beim Check In. Doch ich konnte die Dame am Schalter überzeugen, dass es für Expeditionen Sondertarife gibt. In Istanbul hatte ich einen längeren Aufenthalt, bis es weiter ging nach Bishkek, der Hauptstadt Kirgisiens. In Bishkek angekommen, war ich sehr erleichtert. „All mein Gepäck ist da. Bin ich froh“!!

 

Vom 04.-05.07.2009 schaute ich mir Bishkek an und stellte fest, dass es auch hier noch sehr viele Monumente aus der Sowjetzeit gibt. Groß und mächtig stehen sie an ihrem Platz. Die Menschen sind sehr gesellig und geschäftstüchtig. Überall wird gehandelt und verkauft. Es gab fast keinen Ort, an dem nicht Geschäfte gemacht wurden. Für mich mal eine ganz neue Erfahrung.

Im Laufe der Tage lernte ich auch meine Mitreisenden kennen. Tom, Achim, Ronny, Gerhard, Volker und Daniel aus Deutschland und Juho der Finne. Er wird für die nächsten Wochen mein Zeltpartner sein.

 

Am 06.07.2009 kauften wir noch ein paar Kleinigkeiten ein. Nach dem Mittagessen um 12 Uhr brachen wir mit drei Bussen und einer zweiten Gruppe in Richtung China auf. Während der Fahrt sah ich die ersten Jurten. Entlang der Straße waren immer wieder Händler mit ihren Waren. Um 18.30 Uhr trafen wir in Naryn, unserem ersten Tagesziel, ein. Wir bezogen eine Jurte um darin zu übernachten. „Gibt es da wirklich so viele Flöhe wie man immer hört?“

 

Die Weiterfahrt nach China begann am 07.07.2009 um 8.30 Uhr. Die Fahrt entlang des Tien Shan Gebirges war landschaftlich am Anfang sehr reizvoll. Doch nach einigen Stunden wurde es auch monoton. Die erste kirgisische Kontrolle war schnell vorbei. Auch die zweite war zügig erledigt und wir waren um die Mittagszeit auf dem Torugart Pass auf 3752 m.

 

Ab hier wurde es interessant. Es stand nur ein Bus für uns alle bereit. Das war zu wenig! Dann wurde auch noch die falsche Gruppe eingeladen. Nein, wir waren es nicht. Aber es war unser Bus. Das erfuhren wir erst alles viel später. So saßen wir auf dem Pass fest, und konnten nur auf einen weiteren Bus warten.

 

Als endlich der Bus eintraf, weigerte sich der Fahrer unser Gepäck mitzunehmen. Es sei zu viel und zu schwer für diese Strassen. Wir ließen das Gepäck im Grenzgebäude auf dem Pass. Es war eigentlich ein besserer Kuhstall. Freude hatten wir damit keine. Dann standen wir eine Stunde auf dem nächsten Grenzposten. Die wollten unser Gepäck sehen. Es wurde geschrieen und geflucht. Der Busfahrer musste mit uns zurück auf den Pass und nun doch das Gepäck verladen. Wieder war eine Stunde verloren. Dann zurück um das Gepäck zu kontrollieren. Nach einer halben Stunde war alles vorbei und wir tuckerten weiter nach Kashgar.

 

Nach etwa zwei Kilometer trafen wir auf unseren Gepäcktransporter. Dieser hatte umdrehen und uns entgegenfahren müssen. Der war nicht gerade begeistert! Auch unser eigentlicher Guide war bei ihm. Er hatte sich tausendmal entschuldigt, dass es schief gelaufen war. Die Strasse war wirklich in einem miserablen Zustand. Viel schlechter als letztes Jahr in Russland. Die Zollkontrolle verlief sehr zügig. Wir trafen auch wieder auf die andere Gruppe. Sie mussten hier auf ihre richtigen Papiere warten. Also hatte von der Verwechslung keiner einen Vorteil.

 

Nachdem wir in unserem Hotel angekommen waren, ging es mit der Verwechslung weiter. Die andere Gruppe besetzte unseren Platz im Restaurant. Es war eigentlich auch schon egal. Die Deutschen nervten auch langsam mit ihrem andauernden Gemecker. Um 1Uhr früh ging ich ins Bett. Ein turbulenter Tag war zu Ende!

 

Am 08.07.2009 verließen wir Kashgar um 11.30 Uhr. Subashi hieß unser Ziel. Auf der Fahrt dorthin machten wir noch Halt bei einem Basar. Ich genoss das erste Mal einen Hammelspieß und war begeistert. Jetzt wurden die Berge immer höher. Und es wurde auch merklich kälter. Wir machten noch einen Stopp am Karakol See. Dieser liegt auf 3642 m. Der Mustagh Ata ließ sich im Nebel erahnen. Vom Kongur Chan, 7719 m hoch, konnten wir den verschneiten Gipfel sehen. Beim Umpacken in unserer Betonjurte merkte ich, dass ich das Magazin für die Batterien der Stirnlampe zu Hause vergessen hatte. „Da liegt es gut!!“ Dann musste es halt ohne Stirnlampe gehen.

 

Der 09.07.2009 könnte die ersten Anstrengungen bringen. Da ich schlecht geschlafen hatte, konnte der Aufstieg zum Basislager anstrengender werden als gedacht. Das Wetter war perfekt und um 10.30 Uhr, nachdem alles auf die Kamele verladen worden war, marschierten Juho und ich los. Wir hatten es nicht eilig, und so brauchten wir nicht ganz 4.30 Stunden bis ins Lager. Es sollte auf 4450 m liegen! Mein Höhenmesser zeigte 4385 m, und das Satellitentelefon von Juho 4394 m. Was war nun richtig?

 

Nachdem wir unser Zelt aufgestellt hatten, wurde eine Kleinigkeit gegessen und danach ein wenig im Zelt geschlafen. Das Abendessen war wiederum sehr gut und im Schein der untergehenden Sonne schrieb ich meinen Eintrag ins Tagebuch.

Eines war ganz wichtig. Nicht zu schnell bewegen! Der Kreislauf spielte schnell verrückt. Weniger ist mehr!

 

Den 10.07.2009 nutzte ich zum Anlegen eines Depots. Auf 5000 m, knapp unterhalb der Schneegrenze, fand ich einen passenden Platz.

 

11.07.2009 Um 2 Uhr in der Nacht wachte ich auf und machte mir Gedanken, ob ich hoffentlich meine Expeditionshandschuhe eingepackt hatte. Wie soll man sich da erholen, wenn man die Nacht nicht durchschlafen kann? Mehr schlecht als recht ging der Rest der Nacht vorbei. Nach dem Frühstück durchsuchte ich meine große Tasche. Und sie waren da! Mir fiel ein riesiger Stein vom Herzen. Das Packen des Rucksackes für Camp 1 dauerte fast zwei Stunden. Nach der Abwage waren es 20 kg, ohne Schi und Schischuhe, die ich am nächsten Tag schultern würde. Nach dem Mittagessen schlief ich eine Stunde. Danach musste ich das zweite Mal auf die Toilette. Das letzte was ich jetzt gebrauchen könnte wäre Durchfall!

Heute kamen die beiden Deutschen, Gil Bretschneider und Peer Schepanski von ihrer erfolgreichen Tour zurück. Sie hatten einen neuen Höhenweltrekord mit dem Fahrrad aufgestellt. Bis auf 7211 m hatten sie es geschafft. Eine super Leistung! Wir unterhielten uns einige Zeit. Dabei kam auch mein Vorhaben zur Sprache. Die beiden wussten sehr wohl was es bedeutet, zu versuchen, zwei so hohe Berge in dieser Zeit zu besteigen.

 

Ich wachte am 12.07.2009 gut ausgeruht auf. Es war windiger und kälter als die Tage zuvor. Ein schwerer Tag würde es werden dachte ich mir. Einige Teilnehmer lassen ihr Gepäck mit Esel transportieren. Ich trage alles selber. Im alpinen Stil. So wie es sich meiner Meinung nach auch gehört.

 

Bis zu unserem Depot auf 5000 m war ich wie eine Schnecke geschlichen. Dort wechselte ich von Bergschuhen auf die Schiausrüstung. Ab hier warteten noch anstrengende 400 Höhenmeter. Nach sieben Stunden, mit Pausen, war ich auf 5400 m im Camp 1. Ich war ziemlich leer. Wahrscheinlich war es der Flüssigkeitsmangel. Ronny hatte einen Liter von mir eingepackt. Doch ich hatte vergessen

 

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